Für die meisten von Ihnen bin ich – Marcus Held, Jahrgang 1977 – noch „der Neue“. Umso dankbarer bin ich für die vielen Gelegenheiten, mich Ihnen nach und nach vorstellen zu dürfen. Eine besonders schöne Möglichkeit, mich nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Mensch kennenzulernen, bietet sich bei meiner Einführung am 12. Oktober – zum Auftakt der Festwoche anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Christuskirche.
Vielleicht verliert das Wort „neu“ bald seinen festen Platz vor dem Titel Pfarrer. Und vielleicht wird aus der neuen Gemeinde für mich bald einfach: unsere Gemeinde. Auch wenn schon am Horizont die Umbrüche und Neuanfänge sichtbar werden, die das Datum 1.1.2026 mit sich bringen wird.
Der Weg, der mich zur Christuskirche geführt hat, war alles andere als gerade. Als ich 2007 mein theologisches Examen bei der Evangelischen Kirche im Rheinland ablegte, entschied ich mich gegen den kirchlichen Dienst. Mein damaliger Praktikumsanleiter – ein erfahrener Pfarrer aus Ost-Berlin – war so enttäuscht, dass er fast den Glauben an Gott und die Kirche verlor. Andere reagierten mit Verwunderung. Aber die Zeit war noch nicht reif. Ich selbst hätte damals nicht gedacht, dass mein Theologiestudium je noch einmal so sinnstiftend werden würde. Doch: Irren ist menschlich – und Gottes Wege sind bekanntlich unergründlich.
Zwischen 2007 und 2020 war ich an verschiedenen Universitäten tätig – in Bielefeld, Oldenburg, Mainz und Gießen. Ich lehrte Dogmatik, Ethik, Religionsphilosophie und Soziologie – mit einem besonderen Fokus auf „Digitale Humanwissenschaften“ und „Praktiken von Subjektivierung“. Nebenbei war ich als Reiseleiter für Biblische Reisen unterwegs: im Heiligen Land beiderseits des Jordans, in Ägypten, in Zentralasien, im Kaukasus, im Maghreb – auf den Spuren des Apostels Paulus durch die Türkei und Griechenland, und mit englischsprachigen Gruppen aus aller Welt quer durch Europa. Bodenhaftung gab mir mein Ehrenamt als Bewährungshelfer, das ich über acht Jahre in Mannheim ausübte. Ich habe Menschen in schwierigen Lebenslagen begleitet, mit ihnen gehofft und gebangt. Später durfte ich durch meine (nicht ganz freiwillige) Berufung zum Schöffen am Amtsgericht auch noch einmal die Perspektive wechseln und neu lernen.
Dann kam 2020 – und mit der Pandemie stellte sich vieles auf den Kopf. Ich besann mich auf meine Wurzeln, beendete die wissenschaftliche Laufbahn und klopfte an die Tür des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe. Die Tür öffnete sich, und ich begann am 1.September 2020 mein Vikariat in Mannheim-Wallstadt – noch nicht wissend, wohin dieser Weg mich führen würde. Umso wichtiger war es, dass ich auf einen verlässlichen Partner zählen konnte: Paul, mein Mann, der den Entschluss, mit fast 44 Jahren noch einmal vier Jahre Ausbildung in Kauf zu nehmen, vollständig mitgetragen hat. Und auch unsere Britisch-Kurzhaar-Katze Frl. Schneider hat es klaglos hingenommen, als wir – nach bestandenem Zweiten Examen – für den Probedienst ganz in den Süden der badischen Landeskirche gingen: nach Badenweiler. Dort habe ich zwei Jahre lang als Gemeindepfarrer gearbeitet und war zugleich Kur- und Reha-Seelsorger an vier Kliniken. Nach dem Probedienst wurde ich offiziell in die Pfarrstelle eingeführt. Als sich dann überraschend die Möglichkeit bot, an die Christuskirche zu wechseln, musste ich erst einmal die sprichwörtliche Schrecksekunde über- winden. Doch schon nach den ersten Gesprächen mit dem Dekan, der Kol- legin vor Ort und der Vorsitzenden des Ältestenkreises war die Freude groß: Die Aussicht, in einer Gemeinde mit einem derartigen kirchenmusikalischen Profil und so vielfältigen Lebenswelten wirken zu dürfen, hat mich begeistert. Und eine lebensgeschichtlich lange Linie schließt sich, da meine Großmutter (Jahrgang 1918) in der Amalienstraße geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Ein historischer Stich der Pyramide aus dem Haushalt meiner Großmutter existiert bis heute noch und zieht von Badenweiler nun mit nach Karlsruhe um.
Wenn Sie mehr von mir erfahren, mein theologisches Profil im Konkreten erleben möchten oder einfach ins Gespräch kommen wollen: Kommen Sie gerne im Gottesdienst oder im Pfarramt vorbei. Ich freue mich auf Sie! Ihr Dr.Marcus Held