Die Glocken

 
„Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit:
S’ist als ob Engelein singen wieder von Frieden und Freud’.“
(Friedrich Wilhelm Kritzinger) 

Bei uns an der Christuskirche läuten die Glocken nicht nur zur Weihnachtszeit. Zwar sind unsere Glocken nicht, wie oft bei Kirchen, an ein Uhrwerk gekoppelt, dennoch gibt es zahlreiche Gelegenheiten diese über den Tag verteilt zu hören (siehe Läuteordnung). 
 
Besonders ist, dass wir die größte Glocke Badens bei uns im Kirchturm haben: Unsere Friedensglocke. Die sonoren in großem Umkreis zu hörenden Klänge können täglich um 12.00 Uhr gehört werden. Zur Geschichte wie die Friedensglocke zu uns kam können sie hier weitere Informationen lesen oder eine digitale Glockenführung mit Glockensachverständigen Martin Kares schauen.
 
 
Da unsere Kirche vor den beiden Weltkriegen gebaut wurde, haben unsere Glocke und unser Geläut (inzwischen haben wir das Dritte!) eine spannende Geschichte hinter sich.
sind alle in Bild, Ton und Text einzeln aufgeführt. 
 
Auch jede Glocke hat ihre eigene spannende Historie und ist klanglich und mit ihren jeweiligen Merkmalen unten aufgeführt.
 
Eine Kurzübersicht über die Glocken und ihren Klang finden sie hier im Video:
 
 
"Wenn eine Glocke läutet, heißt das, dort ist eine lebendige Gemeinde, dort passiert was, und man kann sich daran freuen, dass es dieses Netzwerk, diese Aktivitäten, diese Gemeinschaft [...] gibt."
(Dr. Martin Kares in "Die Botschaft der Glocken")
 
Lesen und hören Sie "Die Botschaft der Glocken - Rundfunkpfarrer Wolf-Dieter Steinmann trifft den Glockenexperten Martin Kares". Das Projekt Createsoundscape hat das Ziel eine möglichst vollständige Glockendatenbank zu kreieren, wenns klappt für ganz Europa.
 
 

Die Geschichte der Glocken:                              

 

Das erste Geläut der Christuskirche Karlsruhe wurde mit dem Kirchenbau am 14.10.1900 geweiht.
 
Die ursprünglichen Glocken waren B°, des', e', g'. Sie wurden von der Glockengießerei F.W. Rincker in Sinn/Nassau gefertigt. Diese Disposition (verminderter Moll-Septakkord) war damals typisch, aber nur von Stahlgeläuten bekannt. Da aber nur die Stahlglocken aus dieser Zeit in Deutschland überlebt haben, kann es gut sein, dass die Tonfolge auch bei Bronze üblich war.
Aus der Festschrift zur Einweihung der Christuskirche vom 14. Oktober 1900 kann entnommen werden:
 
Im Voranschlag war angenommen, dass die Glocken aus Gußstahl hergestellt werden sollten. Für deren Beschaffung war nur der Betrag von ca. 6000 M. vorgesehen. Der Kirchengemeinderat kam jedoch zu dem Entschluss für die Glocken das übliche Glockenmetall, eine Legierung aus Kupfer und Zinn zu wählen und für den Mehraufwand von etwas über 10000 M. die besondere Genehmigung der Kirchengemeindeversammlung einzuholen. Nach dem Vorgange bei der neuen Stadtkirche in Pforzheim und auf den Rat der Sachverständigen wurde beschlossen, ein Geläute mit den Tönen des kleinen Septimenakkordes (...) zu wählen (...). Beim Probeläuten am 30.September 1899 sprach sich der Sachverständige über die Fülle, Reinheit und Kraft des Zusammenklanges der vier Glocken und über den ausgiebigen und doch weichen Ton jeder einzelnen Glocke sehr befriedigt aus.   
 
1. Glocke
  • Ton: B°
  • Durchmesser: 1704 mm
  • Gewicht: 2777 kg
2. Glocke
  • Ton: des'
  • Durchmesser: 1433 mm
  • Gewicht: 1650 kg
3. Glocke
  • Ton: e'
  • Durchmesser: 1205 mm
  • Gewicht: 980 kg
4. Glocke
  • Ton: g'
  • Durchmesser: 1013 mm
  • Gewicht: 583 kg
Die Inschriften sind einer Aktennotiz entnommen und können nicht mehr eindeutig zugeordnet werden:
 
  • „Frohlocket mit Händen alle Völker und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall“ Psalm 47,2
  • „Kommet, denn es ist alles bereit“ Lukas 14, 17
  • „Der Meister ist da und rufet Dir“ Johannes 11,28
  • „Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für“ Psalm 89,2
Laut Protokoll vom 25.7.1899 wurden die Glocken vorläufig am 21.7.1899 von Hoforganist A. Barner im Werk in Sinn abgenommen. Die endgültige Abnahme erfolgte im Turm (laut Protokoll v. 23.10.1899).
 
Während des 1 . Weltkrieges um 1915 wurden die 3 tieferen Glocken (B°, des' und e') beschlagnahmt und abmontiert (siehe Bescheinigung der Städt. Metallabnahmestelle, Kommunalverband Karlsruhe). Einzig die g'-Glocke verblieb im Turm über den Krieg.
 
 

Durch die Glockenbeschlagnahmung im 1. Weltkrieg war ein zweites Geläut notwendig geworden.
Das 2. Geläut wurde am Pfingst-Sonntag, den 8.6.1924 geweiht. Es wurde durch die Firma Bachert Karlsruhe gegossen. Es bestand wiederum aus den Glocken B°, des', e', g'.
 
1. Glocke - „Christus-Glocke“
  • „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“
  • Ton: B°
  • Durchmesser: 1770 mm
  • Gewicht: 2850 kg
2. Glocke - „Luther-Glocke“
  • „Ein feste Burg ist unser Gott“
  • Ton: des'
  • Durchmesser: 1470 mm
  • Gewicht: 1600 kg
3. Glocke - Kein Name
  • „Zur Eintracht zum herzinnigen Vereine versammle sie die liebende Gemeinde
  • Ton: e'
  • Durchmesser: 1260 mm
  • Gewicht: 1040 kg
4. Glocke - zum Gedächtnis der Gefallenen des Weltkrieges
  • „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen“ Lukas 2,14
  • Ton: g'
  • Durchmesser: 1013 mm
  • Gewicht: 583 kg
Laut Empfangsbescheinigung vom 17.8.1948 der Reichsstelle für Metalle – i.A. Kreishandwerkerschaft sind drei Glocken mit unterem Durchmesser von 126, 147, und 177 cm mit zusammen 5590 kg Gewicht abgenommen und abgeliefert worden. Somit verblieb nur die g'-Glocke den Krieg über im Turm.
 

 Das dritte Geläut (1953)                                                       

Nach dem 2. Weltkrieg waren wieder neue Glocken notwendig, da die bisherigen erneut im Krieg abgegeben werden mussten. Das 3. Geläut wurde im Hauptgottesdienst am Ostersonntag, den 5.4.1953 geweiht.
Es bestand nun aus 5 Glocken, und einer neuen Tonfolge mit den Tönen: c', d', f', g', a'.
 
2004 wurde die Friedensglocke mit dem Ton F° der Christuskirche hinzugefügt.
 
Weiter unten finden Sie Verlinkungen zu jeder einzelnen Glocke.
 
Die Glocken f', g' und d' sind klar als Vorkriegsglocken einzuordnen, auch wenn weitere Recherchen notwendig wären, von wann diese genau stammen.
Alle Glocken aus allen Geläuten sind aus Bronze.
 

Übersicht über das heutige Geläut

 
  Name Ton Tonaufnahme
Gewicht
VI Friedens-Glocke
9160 kg
V Christus-Glocke c'
1730 kg
IV Kreuz-Glocke d'
1520 kg
III Dreieinigkeits-Glocke f'
893 kg
II Heilig-Geist-Glocke g'
583 kg
I Tauf-Glocke a'
450 kg
 
 
 
Der ursprüngliche Stahlglockenstuhl wurde mit dem Guss der Friedensglocke 2004 aus Holz neu gefertigt.
 
Gut zu wissen: Fakten und Zahlen
Gesamtgewicht aller Glocken: 14 336 kg
Gesamtgewicht Klöppel & Holzjoche: 2 540 kg
Zusammen sind das 16 876 kg im Glockenstuhl.
Beim Läuten verdreifacht sich das Gewicht, somit entsteht ein Gesamtdruck bei Vollgeläute von ca. 58 300 kg!
 
Unser volles klingendes Geläut:
 
 
 
 
Die einzelnen Glocken im Blick