Kantaten von Johann Sebastian Bach
Schau, lieber Gott, wie meine Feind, BWV 153
Der Friede sei mit dir, BWV 158
Der Herr denket an uns, BWV 196
Ensemble BachWerkVokal Salzburg
Gordon Safari, Künstlerische Leitung
Pfarrerin Gabriele Hug, Liturgie und Impuls
Programminformationen
Von Feinden und Frieden
In diesem Programm spannt das Ensemble BachWerkVokal Salzburg einen roten Faden, der die Gegensätze von Feindschaft und Frieden betrachtet und musikalisch bedenkt.
In der Kantate „Schau, lieber Gott, wie meine Feind“ BWV 153 geht es um das Auftreten mächtiger Feinde, die Angst und Schrecken verbreiten. Dieser akuten Bedrohung stellt Bach mit der Vox Christi, die er wie immer dem Bass-Solisten anvertraut, die Verheißung aus Jesaja 41,10 gegenüber: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Die Kantate endet mit einem Bild der Zuversicht, dass nach dem Erdendasein, das immer wieder Konfrontation und Bedrohung mit sich bringt, die himmlische, ewige Freude wartet.
Auch die Kantate „Der Friede sei mit dir“ BWV 158 ist hinsichtlich ihrer liturgischen Bestimmung entweder am Fest Mariae Reinigung am 2. Februar oder am 3. Ostertag aufführbar. Wie schon im Titel klar ersichtlich, steht der österliche Friedensgruß Christi zentral. Die Thematik des Nunc dimittis, der Lobgesang des Simeon, der nach dem Erblicken des Jesuskindes im Tempel in "Frieden fahren" kann, prägt den Subtext der großangelegten Bass-Arie für Solovioline und Basso continuo. Der hinzutretende Solochoral des Soprans "Welt ade, ich bin dein müde" komplettiert diese friedvolle Bild barocker "Sterbekunst". Als Schlusschoral „Hier ist das rechte Osterlamm“ vertont Bach die letzte Strophe von Luthers Osterlied „Christ lag in Todesbanden“. Der existenzielle Kampf zwischen Tod und Leben wird somit nochmals befriedet, bzw. das Leben als Sieger ausgerufen. Wie immer bei Bach steckt auch dieses Werk voller Zahlensymbolik. Im Eingangsrezitativ kommen die heiligen Zahlen 3 und 7 mehrfach vor: „Der Friede sei mit dir“ wird dreimal vorgetragen, siebenmal wird das Wort Friede insgesamt gesungen, 21 Takte (3x7) zählt das Bass-Rezitativ. Die Bitte um Frieden ist also zentral.
In der Kantate „Der Herr denket an uns“ BWV 196 hat Bach ausschließlich Verse aus Psalm 115 verarbeitet. Es handelt sich um eine frühe Bachkantate, die stilistisch noch stark den Einfluss der norddeutschen Schule, insbesondere von Dieterich Buxtehude zeigt.
Zwischen den Kantaten bieten die Choralvorspiele für Orgel, arrangiert von Gordon Safari für Vokal- und Instrumentalensemble, ein völlig neues Hörerlebnis. „Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 731, „Nun danket alle Gott“ BWV 657, „Das sind die heilgen zehn Gebot“ BWV 678, und „Das alte Jahr vergangen ist“ BWV 614 bilden lyrisch meditative Kontrapunkte und möchten die Zuhörer:innen einladen, Bachs Orgelmusik neu zu entdecken.

Quelle: Violetta Schneider
